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Helgoland/ Berlin, 11. Juni 2021 – Die Null ist derzeit eine vielzitierte Zahl. Die Europäische Union will sie erreichen: Netto-Null-Emissionen bis 2050. In Deutschland soll es sogar schon im Jahr 2045 soweit sein.  Damit diese Vorhaben nicht zu bloßen Wettrennen um Zielwerte verkommen, braucht es Initiativen und Projekte, welche die Ziele mit konkreten Gigawatt an erneuerbaren Energien und nachhaltigen Energieträgern, wie Grünem Wasserstoff erreichen können. AquaVentus kann  entscheidend dazu beitragen. Die Initiative ist beim Thema Offshore-Wasserstofferzeugung der aufgehende Stern am Nordseehimmel. Sie vereint mittlerweile über 60 hochinnovative internationale Mitgliedsorganisationen und ist mit ihrer Expertise an zwei aussichtsreichen Wasserstoff-Leitprojekten (TransHyDE und H2Mare) beteiligt. Die Konsortien um AquaDuctus und AquaPrimus 2 erreichten die nächste Auswahlrunde für  eine Förderung als wichtige Projekte von gemeinsamen europäischen Interesse (imported projects of common european interests, IPCEI).

Online-Event mit Beteiligung aus Bundes- und Landespolitik

Vor diesem Hintergrund veranstaltete die Initiative gestern ihren zweiten Parlamentarische Abend. Fast 140  Gäste schalteten sich über ihre Bildschirme zu dem Online-Event dazu. Mit dabei waren unter anderem der parlamentarische Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums Enak Ferlemann und einige Bundestags- und Landtagsabgeordnete. Geschäftsführung und Vorstand von AquaVentus präsentierten den Teilnehmenden die Fortschritte und  Potenziale der Initiative. Jan Philipp Albrecht, Energiewende- und Umweltminister des Landes Schleswig-Holstein (Bündnis 90/Die Grünen) hielt ein Grußwort. Er betonte die Bedeutung von AquaVentus als ein zentralen Baustein der Wasserstoffstrategien  von Bund, Ländern und Europa. Dabei wolle das Land Schleswig-Holstein auch die wirtschaftlichen Potentiale solcher Initiativen und Projekte heben und bei der Umsetzung helfen: „Wir als Landesregierung wollen solche Initiativen und Technologien fördern und deren Realisierung unterstützen. AquaVentus ist für uns als Land von großer Bedeutung!“

Der Geschäftsführer der Initiative, Jimmie Langham, skizzierte den Stand der AquaVentus-Projekte und hob  besonders den ganzheitlichen Ansatz hervor. „Jedes Teilprojekt ist entlang der H2-Wertschöpfungskette integriert, von der Erzeugung, über den Transport bis hin zur Anwendung.“ Die Projektkonsortien um das Pipeline-Projekt AquaDuctus und die Pilotanlagen von AquaPrimus nehmen ihre Arbeit auf. Erste Machbarkeitsstudien werden auf den Weg gebracht. Im Falle von AquaPrimus laufen sie schon in Form einer Pilotanlage im Hafen von Mukran auf Rügen. Das maritime Forschungsfeld AquaCampus westlich von Helgoland ist bereits in Betrieb und wird ab Ende Juni erste Projekte angehen. Jörg Singer, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins und Bürgermeister von Helgoland,  hob die geopolitische Bedeutung der Nordsee als „Epizentrum für Wasserstoff“ hervor und forderte die Politik zum weiteren Handeln auf: „Wir begrüßen sehr den kürzlich von der Bundesregierung erlassenen Klimapakt. Dazu haben wir ein konkretes Angebot.“ Der Pakt legt unter anderem ein besonderes Augenmerk auf die „Offshore-Wasserstofferzeugung und die erforderliche Infrastruktur“. Singer betonte allerdings, dass Teile dieser Infrastruktur, nämlich Wasserstoffpipelines wie AquaDuctus, bisher nicht in der Raumplanung der Nordsee vorgesehen seien und es somit aktuell keine Grundlage für eine Genehmigung gebe. Des Weiteren forderte Singer die nötigen Flächen in der Nordsee zur Wasserstofferzeugung möglichst schnell auszuschreiben und auf der Nachfrageseite einen fairen Wettbewerb für Grünen Wasserstoff herzustellen.

Europäische Vernetzung durch Pipeline – Co-Nutzung von Meeresflächen nötig

Christoph von dem Bussche, Geschäftsführer bei Gascade und im Projektkonsortium AquaDuctus, stellte die Vorteile der geplanten Wasserstoffpipeline heraus. Die Energie in Form von Molekülen über eine Pipeline zu transportieren, spare im Vergleich zum Stromtransport  fünf Hochspannungsseekabel ein, sogenannte HGÜ. Die Pipelin fungiere gleichzeitig als Speicher für den Wasserstoff. Von dem Bussche plädierte außerdem für eine europäische Gesamtplanung beim Aufbau eines europäischen Wasserstoffnetzes. AquaDuctus könne dabei ein Startpunkt für einen großen deutschen und nordwesteuropäischen Offshore-Wasserstoff-Hub sein. Vernetzungen zu Windparks in den Niederlanden und Dänemark könnten geschaffen werden, so der stellvertretende AquaVentus-Vorsitzende.

Martin Gerhardt, Kopf des Offshore-Produktmanagements bei Siemens Gamesa und ebenfalls Mitglied im Vorstand von AquaVentus, sprach zur Wasserstofferzeugung auf See durch Elektrolyseure am Turmfuß von Windturbinen. Die 14 Megawatt-Hochleistungsturbinen von AquaPrimus sollen  aus den Produktionshallen von Siemens Gamesa kommen. Auch er betonte die Standortvorteile der Nordsee, die mit ihren Windstärken und den niedrigen Wasserstiefen ideale Bedingungen biete. In Richtung Politik forderte Gerhardt analog zu den Ausbauzielen bei Photovoltaik und Onshore-Wind  Ziele  für die Wasserstofferzeugung auf See festzuschreiben. Außerdem mahnte er eine gemeinsame Flächennutzung in der Nord- und Ostsee an: „Damit genügend erneuerbare Energien auf See erzeugt werden, müssen mehrere Akteure eine Fläche nutzen können.“

Die anschließende Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nahm unterschiedliche Aspekte zum Thema Wasserstoffproduktion Offshore in den Fokus. So ging es unter anderem um den Vorteil des Aufbaus einer Wasserstoffproduktion in der Nordsee, die Frage des Imports und  die wirtschaftlichen Potentiale, die die Projekte der Initiative für den heimischen, deutschen Markt bedeuten.

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